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18.03.2026

Wie finde ich den zu mir passenden Beruf?

Alexandra Ulbrich, Projektleiterin des AK SCHULEWIRTSCHAFT Dachau Alexandra Ulbrich, Projektleiterin des AK SCHULEWIRTSCHAFT Dachau

In Bayern haben 2024* rund 27 Prozent aller Auszubildenden ihre Ausbildung nicht beendet (*soweit die aktuellsten vrefügbaren Zahlen). Die passende Wahl der Ausbildung ist also ein wichtiges Thema. Alexandra Ulbrich von der Sparkasse Dachau hat konkrete Tipps fürs Finden der passenden Ausbildung.
Interview mit Alexandra Ulbrich, Projektleiterin des AK SCHULEWIRTSCHAFT Dachau

Frau Ulbrich, wie findet man eine Ausbildung, die zu einem selbst passt?
Alexandra Ulbrich: Es gibt Berufstests, die man machen kann, aber ich denke, man lernt aus Erfahrungen heraus am meisten. Deshalb ist es für Schülerinnen und Schüler wichtig, auf Berufsmessen wie die JOB 2026 am 25. April in der ASV-Halle zu gehen. Dort können sie die Auszubildenden an den Info-Ständen fragen, was sie genau machen und wie ihr Alltag aussieht.
Außerdem ist es wichtig, Praktika zu machen, auch einmal Zeit in den Ferien zu investieren, um in interessante Berufe hineinzuschnuppern.

Kennen die Jugendlichen ihre Stärken und Schwächen gut genug?
Ich bin viel bei Bewerbertrainings an Schulen unterwegs. Dabei habe ich festgestellt, dass es unheimlich wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein, was die eigenen Stärken angeht und was man gerne macht. Dazu gehört, dass man sich mit sich selbst auseinandersetzt: Wer bin ich? Bin ich kommunikativ? Arbeite ich gerne mit Menschen? Mit Zahlen? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele sich nicht richtig gut einschätzen können.
Praktika helfen dabei, dass man seine eigenen Stärken kennenlernt. Auch wenn Jugendliche selbst aktiv werden, etwa in einem Betrieb anrufen, um eine Praktikumsstelle zu finden, stärkt das ihre Selbstständigkeit.

Gibt es eine ideale Zahl von Praktika?
Hier gibt es keine Maßvorgabe. Die eine macht ein Praktikum und dann weiß sie: Das wird mein Beruf! Und der andere macht zehn Praktika und weiß immer noch nicht, was er später machen soll. Ich finde es immer gut, wenn jemand mehrere Praktika absolviert, weil man dann weiß, er oder sie hat sie mit verschiedenen Möglichkeiten auseinandergesetzt.

Was sollte man alles bedenken, wenn man sich für eine Ausbildung entscheidet?
Man sollte sich folgende Fragen stellen: Passt der Beruf zu meinen Fähigkeiten? Wie sieht der Arbeitsalltag aus: Will ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen oder bewege ich mich lieber? Über diese eigenen Bedürfnisse sollte man sich klar werden, bevor man eine Ausbildung beginnt.
Wichtig ist auch, welche Entwicklungsmöglichkeiten ich nach meinem Abschluss haben werde. Und ob der Beruf zukunftsfähig ist oder die KI in fünf Jahren meine Aufgaben übernimmt. Solche Sicherheitsaspekte sind relevant geworden.

Wie kann man Auszubildende dabei unterstützen, dass sie gut ins Berufsleben hineinwachsen?
Von Seiten des Betriebes ist ein fester Ansprechpartner wichtig. Die Sparkasse Dachau hat in jeder Geschäftsstelle einen Ausbilder vor Ort, der die Auszubildenden vom Anfang bis zum Ende begleitet und Feedback gibt. Es ist wichtig, dass man gleich erfährt, wenn man etwas gut gemacht hat oder auch, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist.
Wir haben auch feste Ausbildungspläne, wann der Auszubildende wohin geht und welche Stationen er dabei durchläuft. Struktur ist uns wichtig.

Die Eltern können ihr Kind ebenfalls unterstützen, indem sie es an Tagen, wo ihm die Ausbildung nicht so viel Spaß macht, motivieren und ihm eine realistische Sicht der Dinge vermitteln. Es geht eben einmal eine Prüfung daneben oder man bekommt eine Rückmeldung, die einem nicht so gefällt. Da ist es gut, wenn die Eltern ihrem Kind vermitteln, dass das keine Katastrophe ist, sondern zum ganz normalen Arbeitsleben dazu gehört.

Hat es bei der Sparkasse Dachau schon Azubis gegeben, die bereits eine andere Ausbildung begonnen und diese nicht zu Ende gebracht haben?
Ja, da gab und gibt es einige. Zum Beispiel hat ein Kollege zunächst eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen, weil er sich für Autos interessiert. Aber er hat dann festgestellt, dass das auf Dauer nicht für ihn passt. So ist es anderen mit anderen Ausbildungen ergangen. Auch einige Studienabbrecher, die dann doch früher ins Berufsleben einsteigen wollten, sind zu uns gekommen.

Was hat Sie dazu motiviert, Abbrecher als Auszubildende aufzunehmen?
Mich hat öfter die bewusste Auseinandersetzung der jungen Leute mit ihrer beruflichen Zukunft überzeugt, die sie dann zu ihrer Entscheidung zum Neuanfang geführt hat. Dazu gehört Courage und auch Reflexionsvermögen. Das hat ihnen eine gewisse Reife verliehen. Mit den Ausbildungsabbrechern, die zu uns gekommen sind, haben wir durchwegs gute Erfahrungen gemacht.

Was kann man tun, wenn Auszubildende „durchhängen“?
Ein solches „Durchhängen“ gibt es meist am Beginn der Ausbildung. Vielen fällt es nicht leicht, tagsüber zu arbeiten und abends weiter auf Prüfungen zu lernen. Hier ist es wichtig, miteinander zu reden und die jungen Leute zu ermutigen.
In manchen Fällen empfiehlt sich auch der Kontakt zu den Eltern, zu Lehrkräften oder zum Schulsozialarbeiter.

Was ist Ihnen noch wichtig zum Thema Ausbildung?
Wenn man die Realschule beendet und dann die Ausbildung abgeschlossen hat, ist man immer noch sehr jung. Alle Starter heute werden sehr lange arbeiten müssen, vermutlich bis 70. Das kann einem schon als ziemlich bedrückendes Szenario erscheinen. Aber jeder Mensch entwickelt sich weiter und kann immer neue Dinge tun. Bei uns in der Sparkasse kann man zum Beispiel vom klassischen Berater über den Baufinanzierungsspezialisten bis zum Aktienexperten ganz viele Aufgaben im Lauf des Lebens übernehmen. Man kann Fortbildungen machen, ein Studium draufsetzen, und schauen, wie ich mich mit dem Beruf weiterentwickle. Da gibt es immer etwas, was Spaß macht und mich interessieren kann.


Interview und Foto: Gabriele Riffert / Pressearbeit für die JOB 2026

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